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Kunsthaus Zürich: Die Romantik in der Schweiz & Ottilie W. Roederstein

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Ottilie W. Roederstein, Selbstbildnis mit Hut, 1904, Öl auf Leinwand, 55,3 x 46,1 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto © Städel Museum, Frankfurt am Main
Ottilie W. Roederstein, Selbstbildnis mit Hut, 1904, Öl auf Leinwand, 55,3 x 46,1 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto © Städel Museum, Frankfurt am Main
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Das Kunsthaus bietet attraktive Ausstellungen von internationalem Format und eine der grössten Kunstsammlungen der Schweiz, vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Hier die aktuellen Ausstellungen:

Im Herzen wild. Die Romantik in der Schweiz
Bis 14. Februar 2021 steht das Kunsthaus ganz im Zeichen der Romantik. Mit über 150 Werken spannt die Ausstellung einen Bogen von Johann Heinrich Füssli über Alexandre Calame bis zum frühen Arnold Böcklin. Sie führt den eminenten Beitrag der Schweizer Künstler zur Entwicklung der europäischen Landschaftsmalerei vor Augen, folgt ihnen an die Akademien im Ausland und zeigt die enge Vernetzung auf, die zwischen den Malern bestand. Unter Einbindung namhafter Romantiker auch aus den Nachbarländern wie Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix und William Turner würdigt dieser Überblick den Schweizer Beitrag zur Romantik in internationaler Perspektive.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entfaltete sich die Romantik in Europa. Künstler begannen Werke zu schaffen, die die Gefühle und die Faszination für das Unerklärliche gegenüber der nüchternen und rationalen Kunst des Klassizismus in den Vordergrund stellten. In der Schweiz entdeckte man die heimatliche Landschaft als Bildmotiv und bannte die majestätische Bergwelt und das ewige Eis der Gletscher auf die Leinwände. Kurator Jonas Beyer widmet sich dieser bislang nur in vielen Einzelaspekten untersuchten zentralen künstlerischen Epoche des Landes.
Der Fokus auf eine Romantik typisch schweizerischer Prägung ermöglicht einen tieferen Einblick in das Wechselverhältnis von ortsspezifischer Prägung und internationaler Vernetzung. Der besondere Aufbruchsgeist, der die Schweizer Kunst dieser Zeit prägt, artikuliert sich im regen Austausch mit Künstlern aus den Nachbarländern. Das Publikum erlebt dies anhand thematisch gruppierter Gemälde, Zeichnungen und Filme im 1000 Quadratmeter grossen Ausstellungssaal. Realisieren liess sich eine Ausstellung dieser Dimension durch kostbare Leihgaben aus Schweizer Sammlungen sowie durch die Integration hochkarätiger Werke aus Deutschland, Österreich, Grossbritannien und Frankreich. Die Liste der Künstlerinnen und Künstler reicht von vorromantischen Malern vom Range eines Caspar Wolf und Johann Heinrich Wüest über bekannte Namen aus der Zeit der Romantik, darunter die Schweizer Alexandre Calame, Charles Gleyre und Léopold Robert, bis hin zu internationalen Grössen wie etwa Eugène Delacroix, Caspar David Friedrich und William Turner. Dass die romantischen Ideen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts in der Gegenwart nachhallen, zeigen die Videoarbeiten „Everything is going to be alright” von Guido van der Werve, „Projection (matin)” von Remy Zaugg sowie „Travel” von David Claerbout.
Bis 14. Februar 2021

Ottilie W. Roederstein
Ottilie W. Roederstein war eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Generation und wichtigste Schweizer Porträtistin der frühen Moderne.
Die Zeitgenossin, die die Schweiz im Ausland oft als einzige Frau neben Hodler, Amiet und Giacometti vertrat, wird vom 18. Dezember 2020 bis 5. April 2021 im Kunsthaus Zürich mit einer Retrospektive geehrt.
Ottilie Wilhelmine Roederstein (1859–1937) war zu ihren Lebzeiten die wichtigste Schweizer Malerin. Nicht nur in ihrem Heimatland, auch in Deutschland und Frankreich fand sie grosse Anerkennung für ihre Porträts und Stillleben und stellte ab 1883 ihre Gemälde erfolgreich in Paris, London, Frankfurt am Main und Chicago aus. Als einzige Künstlerin vertrat sie 1912 die Schweiz bei der epochalen «Internationalen Kunstausstellung des Sonderbundes» in Köln – neben männ- lichen Kollegen wie Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti und Cuno Amiet. Trotz ihrer einst internationalen Wertschätzung ist Roederstein fast unmittelbar nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten. Nach über 80 Jahren ist die Ausstellung im Kunsthaus Zürich mit rund 70 Werken die erste monografische Werkschau in der Schweiz, die das stilistisch vielfältige Œuvre der Künstlerin wieder einem breiten Publikum zugänglich macht.
Roederstein, die mit dem Kürzel OWR signierte, arbeitete gezielt für den Kunstmarkt, um sich ihren Lebensunterhalt als freischaffende Künstlerin zu verdienen. Sie hielt sich an die für Künstlerinnen vorgesehenen Konventionen. Dies zeigt sich zu Beginn ihrer Karriere durch den Einsatz einer dunkeltonigen Farbpalette sowie durch die Wahl ihrer Bildsujets, den Porträts und Stillleben. Trotzdem überschritt Roederstein bereits früh das für malende Frauen vor- gesehene Terrain, indem sie sich auch an religiöse Bilder und Akte heranwagte. Angeregt durch die Auseinandersetzung mit Werken der italienischen und deutschen Renaissance, begann sie um 1893 mit der Temperamalerei. Diese im ausgehenden 19. Jahrhundert europaweit wiederbelebte Technik galt als tradi- tionsverbunden und avantgardistisch zugleich. In ihrem reiferen Werk öffnete Roederstein sich zunehmend anderen Strömungen und nahm sowohl impressio- nistische wie auch symbolistische Elemente auf. In den 1920er-Jahren fand sie zu der ihr eigenen sachlich-nüchternen Bildsprache. Eine grosse Rolle in ihrem Werk spielen ihre zahlreichen Selbstporträts. Die von Kuratorin Sandra Gianfreda mit einer repräsentativen Auswahl von Gemälden und Zeichnungen konzipierte Ausstellung folgt chronologisch Roedersteins wichtigsten Lebensstationen – Zürich, Paris, Frankfurt am Main und Hofheim am Taunus. Die Schau wird durch bisher unveröffentlichtes Foto- und Archivmaterial bereichert. Das Kunsthaus, welches bereits in den 1890er-Jahren Werke der Künstlerin erwarb und diese bis 1934 in 15 Einzel- und Gruppenausstellungen zeigte, ist mit rund einem Dutzend Werke aus eigenem Bestand vertreten.
18. Dezember 2020 bis 5. April 2021

www.kunsthaus.ch

Episode 13