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Internationales Brucknerfest Linz 2020: Kontroverse – Bruckner und seine Zeit(genossen)

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Intendant Dietmar Kerschbaum © Nikolaus Similache
Intendant Dietmar Kerschbaum © Nikolaus Similache
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„Das Internationale Brucknerfest Linz muss mehr sein als eine gewisse Anzahl beliebig programmierter Konzerte. Bruckners Schaffen steht im Zentrum. Doch stellen wir es jedes Jahr mit den Werken anderer Komponisten in einen direkten Bezug, um bestimmte Aspekte daran zu verdeutlichen.“ So umreißt Brucknerhaus-Intendant Dietmar Kerschbaum die dramaturgischen Leitlinien des von ihm neu positionierten Brucknerfestes, das jeweils im Herbst zwischen 4. September (Bruckners Geburtstag) und 11. Oktober (Bruckners Sterbetag) stattfindet.

In diesem Jahr steht das Internationale Brucknerfest Linz unter dem Motto „Kontroverse – Bruckner und seine Zeit(genossen)“. Es behandelt den Streit zwischen „Neutönern“ und „Akademikern“ im 19. Jahrhunderts, in dem Bruckner und Brahms diesen Gruppierungen als Galionsfiguren dienten. Beide Fraktionen hatten zwar Beethoven als Vorbild, doch wie mit dessen Erbe umzugehen sei, daran schieden sich die Geister. Die „Neutöner“ sahen in der Programmsinfonie bzw. im Musikdrama Wagners die Zukunft, die „Akademiker“ lehnten hingegen außermusikalische Inhalte ab und betrachteten die Instrumentalmusik als „tönend bewegte Form“. In den 27 Veranstaltungen, die im Brucknerhaus, im Donaupark sowie in jenen Kirchen in Linz und Umgebung stattfinden, die in Bruckners Leben eine wichtige Rolle spielten (Pfarrkirche Ansfelden, Alter Dom, Mariendom, Stiftsbasilika St. Florian), werden Werke von Brahms und Bruckner bzw. ihrer jeweiligen Mitstreiter einander gegenübergestellt. Und dabei wird sich möglicherweise zeigen, dass die Fronten weniger eindeutig verliefen, als man im 19. Jahrhundert geglaubt hatte.
Heimische und internationale Stars der Klassikszene werden zu Gast sein, darunter das Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner, der Senkrechtstarter Pietari Inkinen, der im Sommer mit Wagners Ring in Bayreuth debütieren wird, Mauro Peter, der Tamino der Salzburger Festspiele, oder Thomas Quasthoff, der mit einem Jazzprogramm zu hören sein wird. „Ganz besonders freue ich mich, dass Christoph von Dohnányi, der Doyen unter den großen Dirigenten in der Stiftsbasilika St. Florian das Deutsche Requiem von Brahms dirigieren wird“, sagt Dietmar Kerschbaum. „Konzerte wie diese machen das Internationale Brucknerfest Linz unverwechselbar.“
4. September bis 11. Oktober 2020

www.brucknerhaus.at

Episode 43