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Verdun – Welthauptstadt des Friedens

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Memorial Verdun © Jan Vetter|www.fotoworx.de
Memorial Verdun © Jan Vetter|www.fotoworx.de
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In Frankreich ist Verdun ein geschichtsträchtiges Symbol und Ort  des Ersten Weltkriegs. Heute steht es im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, der Völkerverständigung und des Friedens.

STAATSFORST VON VERDUN: EIN AUSSERGEWÖHNLICHER WALD
Am Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen von 1916, nach 300 entsetzlichen Tagen und Nächten, sind fast 700.000 Männer tot, verletzt oder vermisst. Das Schlachtfeld von Verdun ist nur noch verwüstetes Land, eine von Schrott und Granaten übersäte Mondlandschaft. Es ist auch ein riesiger Friedhof für die 80.000 vermissten Soldaten, die durch die Explosionen verletzt wurden. Im Jahr 1919 erklärt der französische Staat 20.000 ha Land zur „Roten Zone“ und erteilt 1923 der Forstverwaltung den Auftrag zur Aufforstung des Schlachtfelds von Verdun. 36 Millionen Bäume werden gepflanzt. Der heute von der französischen Forstverwaltung (ONF) verwaltete Staatsforst von Verdun wurde mit dem Qualitätszeichen Forêt d’Exception® („außergewöhnlicher Wald“) ausgezeichnet: zur Fortsetzung des seit einem Jahrhundert geschaffenen Werks setzen sich Verwalter, Wissenschaftler und lokale Akteure gemeinsam dafür ein, diese Stätten zu bewahren und aufzuwerten. Um sie auf andere Art zu entdecken, kann man  eine Wanderung auf diesen Wegen durch den Wald unternehmen. Heute ist das Schlachtfeld von Verdun ein richtiges Freilichtmuseum.
Denkt man an die Region der Maas/Meuse im nahen Lothringen, fallen einem sofort die Schlachten ein, die sich hier im Ersten Weltkrieg abspielten. Mit der Stadt Verdun ist das Kriegsgeschehen in besonderer Weise verbunden, denn dort fand 1916 eine der blutigsten Auseinandersetzungen statt, die zudem auch militärisch nur einen symbolischen Wert hatte. Neben den Zeugnissen des Kriegs in den Argonnen, les Eparges oder Saint-Mihiel hat die Maasregion, die nur 2,5 Stunden von Straßburg entfernt ist aber auch kulturelle Sehenswürdigkeiten und eine beeindruckende Museumslandschaft vorzuweisen, die es  zu entdecken gilt.
Zahlreiche Gedenkstätten lassen sich in und um Verdun herum besuchen. Oberhalb von Verdun liegt das Fort Douaumont mit seiner Gedenkstätte, dem Beinhaus Ossuaire, wo Tausende anonymer Soldaten ihre letzte Ruhe fanden. Das Fort mit seinen verschachtelten Gängen kann besichtigt werden – um das Fort herum finden sich die Spuren des Stellungskrieges. Ganze Dörfer wurden hier zerstört, in denen heute nur noch Tafeln auf die ehemals dort stehenden Gebäude hinweisen. An der Stelle des Dorfes Fleury-devant-Douaumont befindet sich heute das neukonzipierte ‚Mémorial de Verdun‘, das mit seinen Ausstellungsgegenständen eindrücklich das alltägliche Leben der Soldaten darstellt. In Verdun selbst ist die Zitadelle zu besichtigen, die einen Einblick in das ‚unterirdische‘ Leben der französischen Truppen gibt. 
Das Mémorial wurde 1967 inmitten des Schlachtfeldes erbaut und nun zum hundertjährigen Gedenken über zwei Jahre lang völlig neu konzipiert und um ein drittes Stockwerk ergänzt. In der Ausstellung geht es nicht so sehr um die Darstellung historischer Abläufe, sondern um das alltägliche Leben des einzelnen Soldaten, sei er nun Franzose oder Deutscher, Engländer, Rumäne, Amerikaner oder Australier. Vom obersten Stock hat man einen weiten Rundumblick über das damalige Schlachtfeld, auf dem sich in zehn Monaten die Frontlinie mehrmals verschob. Neun Dörfer, die zwischen den Frontenlinien lagen, wurden komplett zerstört und deshalb auch nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut – symbolisch steht dafür das Dorf Fleury-devant-Douaumont. Von der Terrasse der Gedenkstätte sieht man ebenfalls hinüber zum Beinhaus von Douaumont, in dem Soldaten begraben liegen, die nicht mehr zu identifizieren waren. Vor dem Beinhaus befinden sich 16.000 Gräber gefallener Soldaten. Ebenso erblickt man das Fort Douaumont, das zu Kriegsbeginn von deutschen Truppen besetzt wurde, dann aber, acht Monate später, wieder von französischen Soldaten eingenommen wurde. Das Fort steht wie auch die unterirdische Zitadelle in Verdun für Besichtigungen offen.
Nicht weit von Verdun entfernt, liegt die Anhöhe von ‚Les Éparges‘, von der man einen wunderbaren Blick über die Woevre-Ebene in Richtung Metz hat. Auch hier ist die Landschaft noch durch riesige Granat- und Mienentrichter der Kämpfe von 1915 gekennzeichnet. An diesem Höhenzug lagen sich der deutsche Autor Ernst Jünger (In Stahlgewittern) und der französische Autor Maurice Genevoix (Ceux de 14) feindlich gegenüber.
Daneben gibt es besondere Angebote, um die Schauplätze des damaligen Krieges zu erkunden. So kann man auf geführten Touren mit dem Mountainbike durch die riesigen Minenkrater fahren, auf der Maas / Meuse flussabwärts mit dem Kanu paddeln oder das Schlachtfeld sportlich erkunden. 

Eine außergewöhnliche Besichtigung des Schlachtfeldes von Verdun
Hinter der Front, an der sich die deutschen und französischen Truppen bekämpften, im sogenannten Versorgungsraum, wurden Personalund Kriegsmaterial zu den vorderen Gefechtslinien geschafft.  Die Präsenz der deutschen Truppen im Norden und Nordosten von Verdun hat tiefe Spuren in der Maaslandschaft hinterlassen, insbesondere mit dem Lager Marguerre und der als historisches Baudenkmal anerkannten Batterie von Duzey. 
Das Lager Marguerre in Loison ist eine deutsche Versuchsanlage für Betonbau und Ruhelager für die von der Front zurückkehrenden Soldaten. Ungefähr 10 Kilometer vor dem Frontabschnitt Verduns gelegen, erfüllt das Lager die Anforderungen des „Etappenabschnitts”: Es soll den Armeeeinsatz erleichtern, indem es Geschützstände und Material bereithält und mit Hilfe der Eisenbahnlinien und einer Vielzahl von weiteren Lagern den Transport und die Aufnahme von Militäreinheiten sichert. 
Die Batterie von Duzey ist eine riesige Infrastruktur aus Beton für eine deutsche, 20 Tonnen schwere Marinekanone mit 45 km Reichweite. Während des 1. Weltkriegs und lange danach bringt die Populärliteratur die Feuerkraft der „Berthas“ und die Reichweite der „Max”-Geschütze durcheinander. So wird ein Myhtos von der „dicken Bertha” geschaffen. Lange wird das Gelände von Duzey als das der „Bertha” angesehen. In Wirklichkeit befinden wir uns auf einem Gelände der „Max”-Kanone: ein deutsches Geschütz mit sehr langer Reichweite. 1915 und 1916 schoss sie 750 kg schwere Granaten auf die Festungen und die Stadt Verdun. 

www.memorial-verdun.fr


Episode 13