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Carinthischer Sommer 2021: Mit musikalischer Hochseil-Artistik in die neue Saison

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Orjazztra © Lukas Beck
Orjazztra © Lukas Beck
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Die szenische Aufführung der Kirchenoper Jeanne d’Arc, mehrere Uraufführungen und Veranstaltungen im Gedenken des Festival-Gründers Nikolaus Fheodoroff prägen unter anderem die Saison 2021. Für das Motto setzte sich Intendant Holger Bleck diesmal die Narrenkappe auf und betrachtet unter „ich Narr“ kritisch den Umgang mit Kunst. Darüber hinaus machte er sein Versprechen wahr, Konzerte, die 2020 pandemiebedingt abgesagt werden mussten, in diesem Jahr nachzuholen. Die Festrede bei der Eröffnung am 14. Juli hält der Schriftsteller Michael Köhlmeier.

Durch alle Zeit hindurch waren Narren gesellschaftliche Außenseiter, ungebundener als andere, auch ungeschützt. Possenreißer, Schauspieler, Vaganten, Zauberer – sie gelten als Inbegriff der freien Künstler.
„In Zeiten von Pandemie, Brexit und Autokraten sollten wir als mündige Bürger Sachverhalte hinterfragen, die Mächtigen kritisieren, uns die Narrenkappe wieder aufsetzen“, sagt Intendant Bleck. Aufgrund der Diskussionen der vergangenen Monate dränge sich der Eindruck auf, dass Kunst und Kultur als nicht „systemrelevant“ gesehen, politische Entscheidungen ohne Expertise formuliert und von den Kulturschaffenden als willkürlich und despektierlich empfunden werden.
Und so startet der Carinthischen Sommer 2021 am 14. Juli getreu dem Motto mit Orjazztra Vienna unter der Leitung von Christian Muthspiel in die neue Saison. „Muthspiels komplexe Kompositionen sind am Puls der Zeit. Die extravaganten Instrumentalsoli erinnern an Hochseil-Artistik, die jungen Musiker setzen sich Risiken aus, müssen ihr Können im Augenblick abrufen. Und doch erscheinen sie mir als die glücklicheren Narren, die uns mit ihrer Kunst bezaubern und verführen“, sagt der Intendant.
Mit Orjazztra bringt Muthspiel die große Tradition der Jazzorchester und Bigbands in die Gegenwart. Die 18-köpfige Jazzformation ist ein aufsehenerregendes Projekt, üppig besetzt mit zwei Schlagzeugen und zwei Bässen. Seine farbenreichen, rhythmisch zündenden Kompositionen gewähren den Solisten Freiräume für energetische Improvisationen und können im Stiftshof Ossiach – bei Schlechtwetter im Alban Berg Konzertsaal – erlebt werden.
Hat das Festival mit Orjazztra und Jazz begonnen, so setzt es am 29. August im CCV mit Klassik und einem österreichischen Spitzenorchester den Schlusspunkt. Das Mozarteumorchester Salzburg spielt unter der Leitung von Mirga Gražinytė-Tyla die 2. Sinfonie Robert Schumanns und dessen Violinkonzert, interpretiert von Thomas Zehetmair. Und hier schließt sich auch der Kreis des meist unverstandenen Narren. Galt doch Schumanns Violinkonzert lange als unverstanden. Dieses Unverständnis machte auch vor seinem engsten Umfeld, seiner Frau Clara, dem Geiger Joseph Joachim, dem er das Werk zugedacht hatte, und seinem Freundes Johannes Brahms, nicht halt. 1853 geschrieben, wurde es erst 1937 uraufgeführt.
Die litauische Dirigentin Gražinytė-Tyla ist derzeit Musikdirektorin des City of Birmingham Symphony Orchestra und hatte diese Funktion zuvor am Salzburger Landestheater inne. Der Geiger Thomas Zehetmair war Gražinytė-Tylas Wunschbesetzung. Er kennt nicht nur die Originalpartitur dieses Violinkonzerts bestens, sondern hat selbst eine quellenkritische Neuausgabe erarbeitet.
Neuer Partner des Carinthischen Sommers ist passend zum Motto 2021 „ich Narr“ die Faschingsgilde Villach. Sie wird mit Auftritten bei der Eröffnung, beim Schlusskonzert und zum Auftakt des Kunsthandwerksmarktes in Ossiach das Festival begleiten.
Drei große Linien ziehen sich durch das Programm des Carinthischen Sommers 2021: Klassik, Jazz und Crossover, instrumental und vokal, jeweils mit großen Künstlerinnen und Künstlern vertreten.
14. Juli bis 29. August 2021
www.carinthischersommer.at

Episode 64