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Bleiburg|Pliberk Werner Berg: Museum Manfred Deix trifft Werner Berg

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Plakat der Ausstellung „ Manfred Deix trifft Werner Berg
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Plakat der Ausstellung „ Manfred Deix trifft Werner Berg
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Manfred Deix, der Spötter, der schonungslos die Schwächen seiner Mitmenschen aufzeigt und Werner Berg, der mitfühlende Chronist der Kärntner Slowenen – wie passt das zusammen? Warum findet die in Zusammenarbeit mit Marietta Deix, sowie dem Karikaturmuseum Krems konzipierte Ausstellung im Rahmen der Kärntner Landesausstellung „CARINTHIja 2020 -100 Jahre Kärntner Volksabstimmung, Zeitreisen und Perspektiven“ statt?

Die beiden Künstler mit genialem Blick für Eigenheiten und Besonderheiten ihrer Mitmenschen haben sich an ihrer Heimat – ob satirisch oder mitfühlend – lebenslang abgearbeitet und mit jeweils unverwechselbaren Menschenbildern unsere Vorstellung geprägt. Ob Deixfigur oder Kopftuchweiberl – die über dieses Klischee weit hinausgehende, schrille Gegenüberstellung ihrer so unterschiedlichen wie zuweilen erstaunlich verwandten Werke zeigt, welch begnadeter Künstler Manfred Deix war und eröffnet eine verblüffend neue Sichtweise auf den tiefgründigen, kaum bekannten Humor Werner Bergs. 
Der pointierte posthume Dialog der beiden offenbart, wie Eigentümlichkeiten und Besonderheiten eines Menschenschlages einer bestimmten Region ihren künstlerischen Niederschlag finden, wie es aber auch möglich ist, nationalistischer Selbstherrlichkeit, bösartigen Chauvinismus und bornierter Verklemmtheit durch überspitzte Darstellung eine klare Absage zu erteilen. 
Anhand des schmalen Grates zwischen Typologie und Karikatur werden zentrale Fragen von Gruppenidentitäten bildhaft erörtert. Nach so viel Leid durch den Terror des Nationalsozialismus und nach schweren nationalen Konflikten im Anschluss an die beiden Weltkriege, muss es möglich sein, mit einem Augenzwinkern auf vermeintlich „völkische“ Eigenheiten zu blicken. Absichtlich unernst, widersetzt sich die Ausstellung dem Wunsch, Menschen wie auch Kunstwerke zu kategorisieren, sie nationalistischen Normen unterzuordnen.
 Manfred Deix wies frech, pointiert und keine Tabuüberschreitung scheuend durch Jahrzehnte auf gesellschaftliche Schwachstellen und Fehler hin. So meinen wir bei Deix den „typischen“ Österreicher zu erkennen – auch in seiner Borniertheit, Bosheit, Verschlagenheit, brutalen Dumpfheit, lächelnden Blödigkeit oder hinterfotzigen Liebenswürdigkeit. Castigat ridendo mores – dieser Wahlspruch eines der ersten Karikaturmagazine, nämlich Sitten und Moral zu kritisieren und zu korrigieren, indem man darüber herzhaft lacht, gilt wie damals für Daumier auch für Deix. Seine Karikaturen können als Motor gesellschaftlicher Veränderungen, einer anderen Wahrnehmung der eigenen Vergangenheit und Identität ausgemacht werden und sind somit durchaus auch für eine Veränderung des kollektiven Selbstbildes mitverantwortlich.
Ebenso sahen viele in den im „unmittelbaren Dabeisein“ entstandenen Menschendarstellungen Bergs ein typisches Bild der Kärntner Slowenen. Zahlreiche Ölbilder, Holzschnitte, Aquarelle, Zeichnungen und Skizzen Werner Bergs von den späten 1920er bis frühen 1980er Jahren zeigen eine Vielzahl von Menschen, die im Abstimmungsgebiet gelebt haben und wohl auch an der Kärntner Volksabstimmung im Jahre 1920 teilgenommen haben. So werden uns deren Leben und Eigenart künstlerisch vor Augen geführt. 
Werner Bergs Darstellungen der Menschen seiner Umgebung verschafften diesen eine „Bühne“, rückten sie ganz bewusst ins Licht und wiesen in einer Zeit des Zurückdrängens und bewussten Nichtwahrhabenwollens von slowenischsprachigen Kärntnern auf deren Existenz, Eigenart und Besonderheit hin und entfernten für viele deutschsprachige Kärntner Scheuklappen. Seine Bilder trugen so in einer Phase nationalistischer Ressentiments zu vermehrtem gegenseitigem Verständnis bei.
Manfred Deix und Werner Berg haben tausende Gesichter von verschiedensten Menschen gezeichnet. Beiden war ein klassisches Schönheitsideal fremd. Vielmehr ist für beide die Hinwendung zu den Randerscheinungen der menschlichen Gesellschaft, dem außerhalb der Norm stehenden Besonderen charakteristisch – auch wenn sich gerade in der Menge der Anhäufungen von Einzeldarstellungen ein Bild des typischen Österreichers oder des Kärntner Slowenen zu ergeben scheint. 
Aus einfühlsamen Portraits seiner slowenischsprachigen Nachbarn destillierte Berg einen Typus. Doch die vorliegende Auswahl in Gegenüberstellung zu den Arbeiten von Manfred Deix zeigt, wie schonungslos karikierend auch Werner Berg seinen „Modellen“ zu Leibe rücken konnte. Nichts wird dabei ausgeklammert – vom feisten Händler bis zu den keifenden Alten. Das alles ist die Welt, sind die Menschen in ihrer Vielfalt, scheint das Spektrum von bedauernswert spießigen bis bösartig-rassistischen Kreaturen bei Deix und von armseligen Landarbeitern bis zu wüst polternden Säufern bei Berg zu offenbaren. Beide waren stets nah bei den Leuten – speziell im Gasthaus, ständig die Besonderheit einer Situation aufsaugend, gemeinsam war beiden ein feines Sensorium für deren Zueinander. Mit mehr oder weniger humoristischen doch immer scharfen Blick erfassten sie prägnant zwischenmenschliche Situationen.
Werner Berg wurde 1904 in Wuppertal/Elberfeld geboren. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium der Nationalökonomie besuchte er die Akademien in Wien und München. 1931 zog er auf den Rutarhof im slowenischsprachigen Südosten Kärntens, wo er als Bauer und Maler bis zu seinem Tod 1981 lebte.
Manfred Deix wurde 1949 in St. Pölten geboren, wuchs dort und später in Böheimkirchen auf. 1968 -1975 besuchte er die Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1984 heiratete Deix seine langjährige Freundin Marietta in Las Vegas. Er lebte zuletzt mit seiner Frau und 23 Katzen in der Nähe von Wien. Nach schwerer Krankheit starb Deix 2016.
Großflächige Fassadengestaltungen in der Innenstadt von Bleiburg mit Motiven von Manfred Deix und Werner Berg erweitern die Ausstellung in den öffentlichen Raum.Der Skulpturengarten des Museums zeigt „Sprachbilder“ von Werner Hofmeister. Dieser setzt sich seit Jahren mit dem Wechselverhältnis von Bild und Text auseinander. Buchstaben, Laute, Ausrufe, Symbole werden zum Bild umgebaut, als Stempel, als Wortzeile oder als Wortwagen, in Eisen geschnitten. 
20.Mai bis 31. Oktober 2020

www.wernerberg.museum

Episode 27