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Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg: Ein Ort. Tausend Geschichten

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Hans Robert Pippal: Der Hahnenschrei, Detail; 1956 © Stift Klosterneuburg
Hans Robert Pippal: Der Hahnenschrei, Detail; 1956 © Stift Klosterneuburg
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Seit fast 900 Jahren nehmen die Augustiner-Chorherren des Stiftes Klosterneuburg auch kulturelle Aufgaben wahr. Kulturelles Engagement ist integraler Bestandteil ihres gesamten Wirkens. Das Stift ist Träger kulturellen Erbes und damit zahlreichen Aufgaben verpflichtet. Dieser Kulturauftrag umfasst zum einen die museale Konservierung der einzigartigen Kunstschätze und die Erhaltung der baulichen Substanzen. Schon im späten 18. Jahrhundert gründet das Stift die „stiftliche Kunst- und Raritätenkammer“ zur systematischen Aufbewahrung der kunst- und kunsthandwerkliche Objekte, die sich durch die Jahrhunderte angesammelt hatten.
Auf der anderen Seite auch die Vermittlung von Kultur im Sinne einer Schwerpunktsetzung und zeitgemäßen Präsentation. Seit seinen Anfängen und bis heute steht das Stift auch in engem Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern und ist Zentrum und Präsentationsplattform für zeitgenössische Kunst.


Die Galerie der Moderne: Zeitgenössische Interpretationen sakraler Themen
Die seit 2013 bestehende Galerie der Moderne im Stiftsmuseum Klosterneuburg präsentiert Positionen sakraler Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und bemüht sich unter anderem um eine künstlerische Belebung der Figur des hl. Leopold. Seit vielen Jahrhunderten sieht es das Stift als seine Aufgabe an, Werke sakraler Kunst in Auftrag zu geben und anzukaufen. In den letzten Jahren konnte die Sammlung durch einige Legate und Ankäufe in erfreulicher Weise erweitert werden. Diese treten nun in einen spannenden Dialog mit den Werken der Alten Meister. Der Bogen spannt sich von expressionistischen Werken der 1920er Jahre bis hin zu Schöpfungen junger österreichischer Künstlerinnen und Künstler.

Die Schatzkammer
Lange war die Schatzkammer aus räumlichen Gründen für Besucherinnen und Besucher nicht zugänglich – seit dem Frühjahr 2011 ist sie in die Ebene der Sala terrena verlegt und nach neuesten sicherheitstechnischen und konservatorischen Gesichtspunkten ausgestattet und allgemein zugänglich.
Tatsächlich sind die in der Schatzkammer ausgestellten Gegenstände Attraktionen erster Güte: Der Bogen reicht dabei historisch von den Gründungsjahren des Stiftes bis in das beginnende 20. Jahrhundert, vom sagenumwobenen – aber wissenschaftlich überprüften – echten Schleier der Agnes und einer Kassette aus Elfenbein, die als „Schreibzeug des Heiligen Leopold“ bezeichnet wird, bis zum Jugendstil-Ornat, der von Anton Hofer, einem Schüler der Klasse Kolo Mosers entworfen wurde. Vom elfenbeinernen Abtstab aus dem 14. Jahrhundert, Reliquienschreinen aus Limoges (Frankreich), einem Kelch aus Donaugold bis zur prächtigen Schleiermonstranz, die das Stift zum Jubiläumsjahr 1714 beim führenden Goldschmied Wiens Johann Baptist Känischbauer in Auftrag gab.
Präsentiert wird auch der Markgrafen-Ornat, ein Messgewand, das angeblich aus Teilen der Kleidung des Heiligen Leopold geschaffen wurde (tatsächlich aber erst aus dem 14. Jahrhundert stammt) und von dem sich das niederösterreichische Landeswappen ableitet. Dazu kommen noch weitere liturgische Gewänder aus einer der bedeutendsten Paramentensammlungen Österreichs, die bisher relativ unbeachtet vom Stift beherbergt wird.
Das Prunkstück der Schatzkammer ist die »heilige Krone Österreichs«, der Österreichische Erzherzogshut.

Das Stiftsmuseum
Das Stiftsmuseum befindet sich in den sogenannten Erzherzogenzimmern im 2. Stock des Kaisertrakts. In nicht weniger als 12 Sälen wird ein Querschnitt durch die Sammlungen des Stiftes geboten. Von überregionaler Bedeutung ist vor allem der Bestand an spätgotischen Tafelbildern.
Zu den bekanntesten Kunstwerken des Stiftes zählen die Werke von Rueland Frueauf dem Jüngeren, allesamt zwischen 1496 und 1507 entstanden, besonders die vier Tafeln der Schleierlegende. Herausragend sind die vier Tafeln mit Szenen aus der Schleierlegende, der Gründungslegende des Stiftes. Die Bilder bestechen vor allem durch ihren großen Detailreichtum. Zumal in der Behandlung der Landschaft wurden hier gänzlich neue Wege eingeschlagen. Die zweite Tafel, die „Sauhatz“, gilt als älteste realistische Landschaftsdarstellung in der österreichischen Malerei.
Ein Saal ist der Sammlung von Renaissance-Bronzen gewidmet. Es ist eine der reichsten ihrer Art in Österreich. Höhepunkte der barocken Kunst sind die Bleistatuette „Merkur und Amor“ von Georg Raphael Donner und Gemälde von Johann Michael Rottmayr, Paul Troger, Martin Johann Schmidt („Kremser Schmidt“) und Franz Anton Maulbertsch.
Sonderausstellung „Was leid tut
Was macht das Leid aus dem Menschen? Wie verhält sich der Mensch angesichts des Leides? Leid kann zerbrechen – aber es kann auch stärken, weil es näher zu Gott bringt. Zu diesem Thema sind Arbeiten aus sieben Jahrhunderten zu sehen.
Die Ausstellung „was leid tut“ führt uns anhand von sechs Kapiteln, durch die Themen Vertreibung aus dem Paradies, Martyrium, Zweifel, Trauer, Reue hin zu Trost und Hoffnung. Die dafür zusammengestellten Exponate stammen aus sieben Jahrhunderten, von der gotischen Handschrift des frühen 15. Jahrhunderts bis zu Arbeiten, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Dabei gibt es Leitfiguren aus der christlichen Bildtradition wie Hiob, Christus am Ölberg, die Pietà, heilige Märtyrer, den reuigen Petrus, den depressiven König Saul, aber auch Schutzpatrone und den Schutzengel. Die Gegenüberstellungen alter, klassisch moderner und zeitgenössischer Kunst eröffnen einen einzigartigen Spannungsbogen durch die Kunst- und Kulturgeschichte.
Die Ausstellung wurde von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern mit Werken unterstützt, die teilweise von einschneidenden persönlichen Erlebnissen inspiriert wurden und die überaus individuelle Zugänge zum Thema »Leid« finden. Es finden sich Arbeiten von Linde Waber, Julia Faber, Simon Schober, Michael Endlicher, Thomas Naegerl, Hans Robert Pippal, Susanne Geister u.v.a. in der Ausstellung.
Gerade zwischen den Werken aus unterschiedlichen Epochen ergeben sich oft erstaunliche Parallelen, die zeigen, dass es sich bei dem Thema »Leid« um ein Phänomen handelt, das Menschen zu allen Zeiten quer durch alle Kulturkreise und Weltanschauungen betroffen und bewegt hat.
bis 11. November 2021

www.stift-klosterneuburg.at

Episode 75